Eine stufige Erkundungstour

Treppauf, treppab: Vier Salzburger Stiegen mit ihren 317 Stufen plaudern aus dem geschichtlichen Nähkästchen.

Heute heißt es aufmerksam, sportlich und schmerzresistent sein: Die Stiegen in der Stadt Salzburg stellen einen nicht selten vor Herausforderungen. Aber sie haben auch allerhand zu erzählen – kein Wunder, sind die meisten doch schon hunderte Jahre alt.

Die mit den roten Stufen

Zwar ist sie mit neun Stufen die kleinste der heute zu erklimmenden Treppen, sicherlich aber nicht die unbedeutendste. Schüchtern schmiegt sie sich zwischen Gstättengasse und Museumsplatz und berichtet davon, was sich vor über 500 Jahren abspielte, als hier noch ein Gasthaus stand, das seine Gäste mit selbst gebrautem Bier versorgte. Die kleine Stiege, die zum damals noch offenen Almkanal führte, ermöglichte den Zugang zum Brauwasser und galt als Markenzeichen dieses Hauses „Bey der Stiegen“ – heute besser bekannt als Stiegl-Brauerei. Als der wachsende Betrieb nach Maxglan zog, verlor er das Stieglein, behielt aber den Namen. Ein prominenter Namensgeber also, an den diese Stiege heute erinnert.

Stiege Gstättengasse (c) STADTBEKANNT Zohmann

Stiege Gstättengasse (c) STADTBEKANNT Zohmann

Die mit dem Wasser

Nur drei Gehminuten weiter befindet sich eine Treppe, die zum Badergäßchen hinunterführt. Wer die 16 Stufen in der Vergangenheit heruntergeschritten wäre, hätte sich wohl nasse Füße geholt. Denn seinen Namen hat sich das Gässchen durch die Tatsache verdient, dass ihm einst das Wasser bis zum Geländer stand. Das Bürgerspital betrieb mit Hilfe des Almkanals hier ein Seelenbad. Dreimal im Jahr kamen arme Menschen an dieser Stelle zusammen, um sich kostenlos Haare und Bart schneiden zu lassen, von Badern geschröpft und zur Ader gelassen zu werden. Vielleicht wurde auch der eine oder andere Zahn gezogen.

Stiege zum Badergäßchen (c) STADTBEKANNT Zohmann

Stiege zum Badergäßchen (c) STADTBEKANNT Zohmann

Die mit dem Beichtunfall

Eine ebenfalls sehr alte Stiege befindet sich auf der anderen Seite der Salzach. Bereits 700 Lenze zählt die Imbergstiege und hat in dieser Zeit sicher einiges erlebt. Ein ungutes Gefühl ereilt sie mit der Erinnerung an das Jahr 1756: Als Gläubige am 2. August zur Imbergkirche strömten, um zu beichten, wurde ihr die Last zu groß. Teile von ihr stürzten ein und kosteten sechs Menschen das Leben. Heute ist die Treppe allerdings ein beliebter Weg auf den Kapuzinerberg, der mit 264 Stufen und 46 Meter Höhe sicherlich für so manchen eine sportliche Leistung bedeutet.

Imbergstiege (c) STADTBEKANNT Zohmann

Imbergstiege (c) STADTBEKANNT Zohmann

Die mit den Knien

Vor eine etwas andere physische Herausforderung stellt einen auch die letzte Stiege. Besonders sportlich muss der Treppensteiger für die Bewältigung der 28 Stufen zwar nicht sein, dafür aber eine relativ hohe Schmerzgrenze besitzen. In der Kajetanerkirche präsentiert sich seit 1712 die Heilige Stiege, die ihre Pforten für nur eine Stunde pro Woche öffnet und ausschließlich knieenderweise erklommen werden darf. Eine schmerzhafte Angelegenheit, die an die Leiden Jesu erinnern soll, der einst über Stufen zum Palast des Pontius Pilatus hinaufstieg, um dort zum Tode verurteilt zu werden. Vorbild und angebliches Original der Heiligen Salzburger Stiege ist die „Scala Santa“, die von Jerusalem nach Rom gebracht und im Lateranpalast wiederaufgebaut wurde. Kleiner Tipp: Eine unscheinbare Nachbarstiege ermöglicht den Aufstieg zu Fuß und damit einen Blick auf den obigen Kreuzaltar.

Heilige Stiege (c) STADTBEKANNT Zohmann

Heilige Stiege (c) STADTBEKANNT Zohmann

Heilige Stiege – Kajetanerkirche
Sa 11:00 – 12:00 Uhr