Lieferinger Spaziergang

Umrahmt von Saalach, Salzach und Glan: Liefering ist immer noch wie ein eigenes Dorf in der Stadt, das einige interessante Geschichten auf Lager hat.  Auf ein paar davon stoßen beim Spaziergang durch Altliefering.

Übersetzt heißt Liefering so viel wie „freies Heim“. Klingt schön und ist es auch. Ansehnliche und interessante Lieblingsplätzchen gibt es hier zuhauf. Einen Teil, mit Fokus auf Altliefering, erkunden wir heute zu Fuß: Auf dem Weg vom Brandlbühel bis zur Peter-Pfenninger-Straße begegnen uns unter anderem Vögel, Fische und schwebende Steine.

Lieferinger Bergliebe

Nach Überquerung der Münchner Bundesstraße beginnt Altliefering, wo den Spaziergänger gleich zu Beginn der wortwörtliche Höhepunkt erwartet: Der Brandlbühel zählt mit stolzen 11 Metern zu einer der höchsten Erhebungen des Stadtteils. Ein hübscher kleiner Ausflugsort mit Picknick-Potenzial, den man aber dank Spielplatz auch gemäß dem Motto „Mir reicht’s, ich geh schaukeln!“ für eine kurze Auszeit nutzen kann. Die Aussicht ist angesichts der Hügelhöhe zwar nicht atemberaubend, aber durchaus ansehnlich. Es grüßen Nockstein, Gaisberg und die 2,8 Kilometer Luftlinie entfernte Kirche Maria Plain.

Brandlbühel in Liefering (c) STADTBEKANNT Zohmann

Brandlbühel in Liefering (c) STADTBEKANNT Zohmann

Lieferinger Papageno

Apropos Luftlinie: Ein bis 1812 in Liefering viel ausgeübter Beruf war jener des Vogelfängers. Landschaftlich mit seinen Naturgebieten und Auen dafür bestens geeignet, gab es in Liefering 1674 noch 37 „Papagenos“.  Vor allem im September, wenn der Vogelzug gen Süden begann, stellten die Fänger Amsel, Drossel, Fink und Wildtauben mit Leimruten, Schlingen und Schlagnetzen nach. Denn der fürsterzbischöfliche Hof verlangte nach Singvögeln, von denen jährlich bis zu 5.000 Stück auf dem höfischen Teller landeten.

Stadtpfarrkirche Liefering (c) STADTBEKANNT Zohmann

Stadtpfarrkirche Liefering (c) STADTBEKANNT Zohmann

Heute dürfen die Vöglein munter weiterzwitschern, während unser Weg weiter Richtung Gotteshaus führt. Schon von Weitem grüßt der barocke Kirchturm der Stadtpfarrkirche zu den Heiligen Petrus und Paulus, ein wahrer Ureinwohner Lieferings, reichen doch die die ältesten Baureste bis ins 8. Jahrhundert zurück. Ein Blick ins Innere offenbart ein schönes Netzrippengewölbe.

Lieferinger Wasserspiel

Wer nun der Lieferinger Hauptstraße gen Süden folgt, gelangt zu einem relativ neuen Dorfplatz, der sich über dem Lärmschutztunnel der Autobahn ausbreitet. Neben einem tollen, weitläufigen Spielplatz zieht ein kunstvoller Brunnen die Blicke auf sich: Scheinbar vom Wasser getragen, schweben Steinblöcke aus Untersberger Marmor über dem Boden. Diese wurden bereits zu Römerzeiten von Handwerkern zugespitzt und lagen gut geschützt unter der Erde, bis man sie bei Grabungen entdeckte. Der Grazer Künstler Hartwig Mülleitner setzte sie 2004 neu in Szene und serviert damit einen kleinen Augenschmaus.

Brunnen in Liefering von Hartwig R. Müllleitner (c) STADTBEKANNT Zohmann

Brunnen in Liefering von Hartwig R. Müllleitner (c) STADTBEKANNT Zohmann

Fisch und Ginkgo

Am Rande des Platzes will auch eine Infotafel Beachtung finden. Sie erzählt vom Umweltschutztunnel und ist eine von insgesamt 52 Schautafeln, die im Rahmen des Lieferinger Kultur-Wanderwegs über die Geschichte des alten Dorfs informieren. Ambitionierte Kulturwanderer, die alle Tafeln abgehen möchten, sollten 90 Gehminuten einplanen. Da wir zur etwas gemächlicheren Sorte zählen, klappern wir nicht alle ab, sondern freuen uns ab und an über wissenswerte Einblicke, die uns die Schautafeln gewähren. Weiter führt nun die Kirchengasse, deren Name sehr gut zu Altliefering passt, denn das Dorf entstand ursprünglich aus einer Kirchensiedlung. Und auch andere Straßennamen plaudern aus dem Nähkästchen der Vergangenheit: Fischergasse, Angler- und Forellenweg lassen nicht viel Raum für Interpretation: Neben den Singvögeln waren hier auch Fische begehrte Beute. Fünf eigene Fischweiher durfte Liefering sein Eigen nennen.

Ginkgobaum in Liefering (c) STADTBEKANNT Zohmann

Ginkgobaum in Liefering (c) STADTBEKANNT Zohmann

Zum Abschluss statten wir noch einem weiteren Lieferinger Urgestein einen Besuch ab. Bei der Peter-Pfenninger-Straße, die übrigens nach dem letzten Berufsfischer Lieferings benannt ist, stoßen wir beim Gärtnergut auf einen der ältesten Ginkgobäume Europas.

STADTBEKANNT meint

Wer durch Altliefering spaziert, kann das einstige Dorf noch spüren. Hier stoßen wir auf ein beachtliches Hüglein, tolle Spielplätze, Lieferinger Urgesteine, aber auch Geister ehemaliger Vogelfänger und Fischer.